Kultur in Berlin: Hoffen auf Ostern

Aufruf "Lockdownlyrik". Foto: Ulrich Horb
Leergeräumter Laden, Aufruf zur „Lockdownlyrik“. Foto: Ulrich Horb

Der coronabedingte Lockdown ist bundesweit verlängert, Kitas, Schulen, Restaurants und die meisten Geschäfte bleiben in Berlin nun zunächst bis zum 14. Februar geschlossen. Und auch für die Berliner Kulturszene heißt es: weiter warten. Vor Ostern, so Berlins Kultursenator Klaus Lederer nach einer Videokonferenz mit Vertretern der Bühnen und der Freien Szene Mitte Januar, werde keine Bühne aufgemacht werden. Und auch dieser Öffnungstermin bleibt ungewiss. Die Osterfeiertage sind am 4. und 5. April.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler an Berlins Bühnen, die Sängerinnen und Sänger, die Musiker an den Opernhäusern, die Freie Szene, sie alle haben keine Zuschauer. Selbst geplante Veranstaltungen im Freien sind abgesagt.

Eigentlich wollte das Projekt „Draußenstadt“ der Kulturprojekte Berlin Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne im Freien und ein wenig Einkommen bieten. „Du bist mit kreativen Veranstaltungsideen und Projekten, die auch in der kühlen Jahreszeit draußen umgesetzt werden können, bei uns herzlich willkommen. Damit Berlin als Stadtraum von Kunst und Kultur weiterhin sichtbar, erlebbar und für alle erreichbar bleibt“, hieß es in einem Aufruf im Herbst 2020.  Mitte Oktober stoppte die Senatskulturverwaltung die Ausschreibung für das Programm „Call for Action“ im Rahmen der „Initiative Draußenstadt“. „Wir stehen in der Pflicht, dem Pandemiegeschehen Rechnung zu tragen, und Risiken soweit es geht zu minimieren. Dahinter stehen unsere Wünsche, ein Mehr an Kultur im Freien zu ermöglichen, selbstverständlich zurück“, erklärte Kultursenator Lederer (Linke). Noch immer ist unklar, wann ein geeigneter Zeitpunkt kommt.

Keine Großveranstaltungen bis Herbst

Abgesagt für 2021 sind auch bereits einige Großveranstaltungen wie der Karneval der Kulturen. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg teilte am 22. Januar mit, „dass aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr und Sommer 2021 im Bezirk keine großen Veranstaltungen oder Feste im öffentlichen Straßenland oder Grünanlagen stattfinden können“.  Von dem einstimmigen Beschluss des Bezirksamts sind auch das Myfest in der Kreuzberger Oranienstraße am 1. Mai oder das schwul-lesbische Parkfest betroffen. Bis zum 3. Quartal sollen solche Veranstaltungen nicht genehmigt werden.

Mit der Verlängerung des Lockdowns Mitte Januar 2021 wurde neuen Ungewissheiten in der Pandemie Rechnung getragen. Neue, wohl stärker infektiöse Variationen des Corona-Virus wurden auch in Berlin festgestellt, sie könnten die durch Kontaktvermeidung mühselig reduzierten Zahlen der Neuinfektionen schneller wieder in die Höhe treiben. Die Impfungen kommen mangels ausreichenden Impfstoffes nicht schnell genug voran.

Geplante Veranstaltungen bis Mitte Februar mussten wieder abgesagt werden. Bühnen wie das private Steglitzer Schlossparktheater rufen dazu auf, sie mit Spenden zu unterstützen oder auf die Erstattung von bereits erworbenen Karten zu verzichten.  Andere wie das Gorki und das Deutsche Theater nutzen Streaming-Plattformen wie Dringeblieben.de, um ihre Produktionen zu zeigen.  Das Zuschauen ist kostenlos, aber das Streaming-Angebot kann mit Spenden zwischen 3 und 25 Euro unterstützt werden. Die Schaubühne Berlin bietet einen Ersatzspielplan mit Streaming-Angeboten auf ihrer Internetseite www.schaubuehne.de

Das Renaissance-Theater zeigt auf seiner Seite Video-Porträts „namhafter Theaterkünstler, die der das Renaissance-Theater und das Berliner Kulturleben mitgeprägt und bereichert“ haben.

Die Deutsche Oper bietet vom 28. Januar 2021, 15.00 Uhr, bis zum 31. Januar 2021, 15.00 Uhr auf ihrer Videoseite Alexander von Zemlinskys „Der Zwerg“ als Video on Demand. Karten für Vorstellungen werden noch nicht wieder angeboten, die Planung ist zu ungewiss. Auf der Seite der Staatsoper dirigiert Daniel Barenboim die Staatskapelle – das Video aus der ZDF-Mediathek zeigt „Beethoven auf dem Bebelplatz“.  Vor ungewissen Zeiten steht auch weiter die Neuköllner Oper: „Alle nachfolgenden Produktionen werden Pandemie-bedingt überarbeitet, teilweise neu entwickelt bzw. verschoben.“

Mit einem Aufruf zum Einreichen von „Lockdownlyrik“ kämpfen  Fabian Leonhard & dem Trabantenverlag Berlin gegen den Verlust an Kreativität. Ihr Flyer hängt zum Beispiel an den Schaufenstern verlassener Ladengeschäfte: „Projektziel: Aus den 100 besten Gedichten soll ein Buch entstehen, das im Trabantenverlag Berlin erscheinen wird. Der Gewinn soll an die Obdachlosenhilfe gespendet werden und damit die Menschen erreichen, die von der Pandemie besonders hart betroffen sind. Los! Schreib auch ein kurzes Gedicht über den Lockdown, über das vergangene Jahr, über Jogginghosen, Seriensucht, über die Sehn-sucht nach Freiheit, über positive Visionen für die Zukunft oder über ernstere Themen wie Einsamkeit und soziale Ungerechtigkeit in der Pandemie! Los! Schickt mir bitte alle Gedichte per DM auf Instagram @lockdownlyrik! Die eingesendeten Gedichte werden dann auf dem Kanal gepostet. Bis zum 31.01.2021 können noch Gedichte eingereicht werden!“

 

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