Berlins Kinos öffnen wieder

City Kino Wedding, Müllerstraße 74. Foto: Ulrich Horb

Mitte März wurden die Leinwände in Berlin dunkel, nun ist die mehrwöchige Corona-Zwangspause für die Berliner Kinos vorbei. Ab 2. Juli sind viele von ihnen wieder offen – mit neuen Hygiene- und Abstandsregeln und mit Filmen, die auf ihren Kinostart viel länger als geplant warten mussten. Den Anfang machen die Programmkinos, darunter das Bundesplatz-Kino, das City-Kino Wedding, das Hackesche Höfe Kino, Il Kino in Neukölln, das Sputnik Kino, das Wolf und die 14 Filmtheater der Yorck Kinogruppe, darunter das Delphi und das Cinema Paris. Die großen überregionalen Ketten wie Cinemaxx oder Cinestar halten sich in Berlin noch zurück, wohl auch, weil die großen Verleiher mit Hollywood-Streifen auf sich warten lassen.

Kino Bali inZehlendorf. Foto: Ulrich Horb
Kino Bali inZehlendorf. Foto: Ulrich Horb

Am 28. Mai hatte der Berliner Senat den Zeitplan für die Wiedereröffnung der Kinos beschlossen, Dafür gab es ausdrückliches Lob aus der Berliner Kinoszene: „Wir sind froh, dass die Berliner Landesregierung sich nicht von vorschnellem Aktionismus leiten lassen hat wie manch andere Bundesländer“, twitterte die Yorck-Gruppe. Den Juni nutzten die Kinobetreiber zur Vorbereitung. „Es wird Einschränkungen geben – aber wir freuen uns auf Sie/Euch…“, so das Zehlendorfer „Bali“. Werbung musste organisiert und das Personal geschult werden. Die sonst üblichen Schlangen an der Kinokasse müssen vermieden werden, ein Teil der bisherigen Plätze bleibt frei, teilweise wurde die Bestuhlung geändert, um Abstände einzuhalten. Die Kinos setzen auf stärkere Belüftung, auf kontaktlose Ticket- und Einlasskontrollen, auf Online-Reservierungen und eine Maskenpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besucherinnen und Besucher im gesamten Gebäude, ausgenommen die Zeit der Filmvorführung. Teilweise müssen Kinobesucher Angaben zur Person ausfüllen, um eine Rückverfolgung zu ermöglichen, Handdesinfektionsmittel finden sich im Eingangsbereich.

Die Corona-Pandemie hatte auch die Filmwirtschaft hart getroffen. Dreharbeiten mussten eingestellt werden, Abspielmöglichkeiten fehlten. Die Verschiebung von Kinostarts führt zu einem Stau von Filmen. So kam beispielsweise Dani Levys Verfilmung der „Känguru-Chroniken“ am 5. März nur für wenige Tage in die Kinos. Mit 375.000 verkauften Tickets in den ersten vier Tagen waren sie zwar so erfolgreich wie kein anderer deutscher Film in diesem Jahr, danach aber lief die Geschichte über das kommunistische Känguru nur noch in den Autokinos oder beim Streamingdienst von Amazon.

Beim Neustart der Programmkinos ist nun der auf der Berlinale gezeigte Film „Undine“ von Christian Petzold zu sehen, die Geschichte einer Berliner Stadthistorikerin und einer zerstörten Liebe. Der ursprünglich vierzehn Tage später geplante Start des Science-Fiction-Thrillers „Tenet“ von Christopher Nolan dürfte sich weiter verschieben, da dessen US-Filmstart aufgrund der dortigen Corona-Pandemie wohl frühestens Mitte August stattfinden kann. Auf der Warteliste aktueller Filme steht zudem die an die Gegenwart angepasste Verfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbanis, ein Film passend zur aktuellen Rassismus-Debatte.

Cinema Paris, Programmkino am Kurfürstendamm. Foto: Ulrich Horb
Cinema Paris, Programmkino am Kurfürstendamm. Foto: Ulrich Horb

Wie die Kinos im Sommer von den Zuschauerinnen und Zuschauern angenommen werden, muss sich erweisen, ob die wirtschaftliche Tragfähigkeit angesichts stark reduzierter Sitzplätze noch vorhanden ist, ebenfalls. Ein wenig Hilfe verspricht der Beschluss der Bundesregierung vom Juni, im Zuge des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets ein umfassendes Programm zur Stärkung der Kulturinfrastruktur aufzulegen und auch die Kinos zu unterstützen. Die AG Kino – Gilde, der Verband der Filmkunsttheater, wies darauf hin, dass auch nach der Wiedereröffnung der Filmtheater noch lange dauern werde, bis diese zu einem Normalbetrieb zurückkehren können. „Insbesondere die hohen Abstandsauflagen beeinträchtigen massiv die Wirtschaftlichkeit. Zudem müssen sie jetzt in Sicherheitsmaßnahmen investieren“, so die AG Kino.

Nicht wiedereröffnen wird das Kino Colosseum in Prenzlauer Berg, für das die Erben Arthur Brauners offenbar andere, lukrativere Baupläne verfolgen. Die Betreibergesellschaft meldete Insolvenz an. Dafür öffnet in der Wilmersdorfer Windscheidstraße nach mehrjähriger Pause wieder das „Klick“ als Kino und Veranstaltungsraum.

Bereits seit Juni haben in Berlin zahlreiche Freiluftkinos geöffnet.

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