Arsenal, Mitte

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Kino Arsenal am Potsdamer Platz. Foto: Ulrich Horb

Seit mehr als vierzig Jahren steht der Name „Arsenal“ für ein ganz besonderes Filmprogramm. Hier geht es um Themen und Sichtweisen des internationalen Films, um die historische Entwicklung, um das Werk ausgewählter Regisseurinnen und Regisseure oder die Darstellungskunst großer Schauspielerinnen und Schauspieler.

Im Januar 1970 wurde die Welser Straße 25 in Schöneberg West-Berlins erste Adresse für Filmkunst.  Hier hatte der im Mai 1963 ins Vereinsregister eingetragene Verein „Freunde der Deutschen Kinemathek“ ein kleines Bezirkskino im Erdgeschoss eines Wohnhauses übernommen. Sein Ziel: die Bestände der im Februar 1963  entstandenen Deutschen Kinemathek e.V. öffentlich zugänglich zu machen.  Im Verein fanden dem Film verbundene Persönlichkeiten wie der Regisseur  Helmut Käutner, der Theaterkritiker Friedrich Luft, der Filmhistoriker und spätere Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films Ulrich Gregor, die Feuilletonistin  Karena Niehoff oder der Filmwissenschaftler Gero Gandert zusammen. Grundstock der Deutschen Kinemathek war eine reichhaltige filmhistorische Sammlung des Regisseurs Gerhard Lamprecht („Buddenbrooks“,  „Emil und die Detektive“, „Madame Bovary“), die das Land Berlin erworben hatte.  Zunächst fanden regelmäßig Aufführungen und Veranstaltungen in der Akademie der Künste und in verschiedenen Berliner Kinos statt. Die ersten Programmhefte der Kinemathek wurden herausgegeben.

1969 standen dann die „Bayreuther Lichtspiele“  zum Verkauf.  Eröffnet wurden sie in der Bayreuther Straße 16 wohl schon vor dem 1. Welkrieg. In den zwanziger Jahren stehen als Kinobetreiber M. Sadigoff und danach Angel Faci & Martin Artigas in den Kinoverzeichnissen. Dreißg Jahre lang, von 1930 bis 1960, führte Walter Schibalski  das kleine Kiez-Kino.   Nachdem 1958 der südliche Teil der Bayreuther Straße umbenannt wurde, befanden sich die Bayreuther Lichtspiele mit rund 250 Sitzplätzen nun in der Welser Straße.

Die Übernahme durch die „Freunde der Deutschen Kinemathek“ erwies sich als Wagnis, weil die erhofften Zuschüsse durch die Deutsche Klassenlotterie ausblieben. Manfred Salzgeber und  der Geschäftsführer der „Freunde der Deutschen Kinemathek“ Heiner Roß, die den Vertrag schon unterzeichnet hatten, konnten aber mit Hilfe von Verleihern und ehrenamtlicher Unterstützung der Vereinsmitglieder ein ambitioniertes Programm auf die Beine stellen, das in der Folge vor allem Filme der Dritten Welt und Osteuropas sowie Dokumentar- und Independentfilme auf die Leinwand brachte. 1971 übernahm der Verein die Ausrichtung des Internationalen Forums des Jungen Films im Rahmen der Berlinale.

Zusammen mit Einrichtungen wie der Deutschen Film- und Fernseh-Akademie wurden 1985 Pläne entwickelt, das Hotel Esplanade nahe der Mauer am Potsdamer Platz zu einem Filmhaus umzubauen. Aber das Projekt verzögerte sich  aus finanziellen Gründen bis zum Mauerfall.  In den neunziger Jahren wurden dann völlig neue Pläne für den Potsdamer Platz gemacht. Im von Sony erbauten Center wurden aber zwei Kinosäle für das Arsenal eingeplant, die im Juni 2000 eröffnet wurden.  Berlins schwierige Finanzlage erlaubte keine stärkere Unterstützung des Vereins, 2004 übernahm der Bund die Förderung.  2008 strukturierte der Verein sich selbst und sein Programm um.  Seitdem firmieren die Freunde der Deutschen Kinemathek unter dem Namen „Arsenal – Institut für Film und Videokunst“, um den Veränderungen der Medienlandschaft Rechnung zu tragen und neue Formate zu entwickeln.  Das Arsenal verfügt inzwischen über eine Sammlung   von rund 8000 Filmen, von denen ein Viertel für den Verleih zur Verfügung steht.

Kino Arsenal, Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin, Telefon: 030 26955100.  Kinoprogramm: www.arsenal-berlin.de

Kartenvorbestellung:   ticket<at>arsenal-berlin.de (Mo–Fr bis 17h), Telefon: +49-30-26955-100


 

 

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