Xerxes als munteres Verwirrspiel

Blick in die "Komische Oper". Foto: Ulrich Horb
Blick in die „Komische Oper“. Foto: Ulrich Horb

Es ist eine muntere, ausgelassene Inszenierung, die von Stefan Herheim 2012 erstmals auf die Drehbühne der Komischen Oper gebracht wurde und die 2018 wieder auf dem Spielplan zu finden ist. Die Liebesgeschichte um den Perserkönig Xerxes (Serse), von Georg Friedrich Händel  1738 zur schillernden Hauptfigur einer Barock-Oper erkoren, besticht durch Witz und Spielfreude, barocke Kostüme, hervorragende Stimmen und ein imposantes Bühnenbild von Heike Scheele.

Nach nur fünf Vorstellungen war  die am 15. April 1738 im Londoner King’s Theatre am Haymarket uraufgeführte Inszenierung von Händels Oper Xerxes abgesetzt worden.  Das damalige Publikum hatte Mühe, sich in der wilden Mischung aus Groteske und Heldentum zurechtzufinden. Es dauerte knapp 200 Jahre, bis das Stück wieder häufiger auf den Opernspielplänen zu finden war. Heute ist es eine von Händels meistgespielten Opern, an der Komischen Oper fand Herheims Inszenierung inzwischen mehr als dreißig Aufführungen..

Komische Oper Berlin. Foto: Ulrich horb
Komische Oper Berlin. Foto: Ulrich horb

Georg Friedrich Händel , nach dem damals in seiner Geburtsstadt Halle noch gültigen julianischen Kalender am 23. Februar 1685 geboren und am  14. April 1759 in London verstorben,  hatte in der britischen Hauptstadt große Erfolge, aber auch schwierige Zeiten zu überstehen. Die italienische Oper, für die Händel  stand, bekam Konkurrenz von gefälligen, politisch-satirischen Aufführungen wie der erfolgreichen „Beggar‘s Opera“ (1728). Zudem stand  der Komponist ab Ende 1733 mit seinem Opernunternehmen im Wettbewerb mit  einer Gesellschaft von Aristokraten. Der ruinöse Wettbewerb bekam beiden Gesellschaften nicht. Händel  rettete sich mit einem Benefizkonzert, das ihn wohl weitgehend von Schulden befreite.

 „Xerxes“ greift die vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot überlieferte  Erzählung vom persischen König auf, der von seinen Soldaten das Wasser einer Meerenge auspeitschen ließ, weil es ihn am Brückenbau gehindert hatte, und der in Liebe zu einer schattenspendenden Platane erglühte. Frei erfunden ist dagegen die weitere Handlung: Xerxes, dessen Ehe mit Amastres  beschlossene Sache ist, wirbt um die Liebe von Romilda, der Tochter seines Heerführers Ariodate, die aber auch von seinem Bruder Arsamene umworben wird. Um den wiederum bemüht sich Romildas Schwester Atalanta. Xerxes präsentiert sich zwischen Lächerlichkeit und Heldentum, ein Umschieben des Bühnenbildes mit dem Namen des Protagonisten macht aus den Buchstaben „Xerxes“  treffend einen „SexRex“.  Amastres nimmt die Affäre des ihr versprochenen Gatten nicht hin, als Mann verkleidet verfolgt sie das Intrigenspiel. Ein missverständlicher Befehl von Xerxes veranlasst schließlich den Heerführer Ariodate, seine Tochter Romilda  mit dem Xerxes-Bruder Arsamene zu vermählen.

Es ist auch ein Spiel mit Geschlechterrollen. Die Hauptfiguren wurden zu Händels Zeiten von Kastraten gesungen, jetzt übernehmen Frauen die Männerrollen. Und der Diener Elviro,  zwischen Bariton und Countertenor, berlinert sich als Blumenmädchen über die Bühne.

Herheims Inszenierung hat auch einige negative Kritiken erhalten, die ein Übermaß an Albernheit konstatieren. Das Publikum findet dagegen viel Gefallen am Witz der Aufführung und belohnt mit Bravo-Rufen.

zur Website der Komischen Oper

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