Akrobatik über Tellern

Palazzo, Spiegelzelt am Ostkreuz 2016. Foto: Ulrich Horb
Palazzo, Spiegelzelt. Foto: Ulrich Horb

Hoch über den festlich gedeckten Tischen schweben die Artisten. „Glanz & Gloria“ heißt das neue Programm in  der Spielzeit 2017/2018 des „Palazzo“ in Berlin.  An den Tischen im Spiegelzelt haben Gäste  Platz genommen, die nicht nur Akrobatik, Show und die stimmgewaltige Moderation der rotmähnigen Miss Frisky erleben, sondern auch Kochkultur. 

Als „Erlebnisgastronomie“ werden Konzepte wie das des Palazzo bezeichnet. Dunkel-Restaurants und Krimi-Dinners haben inzwischen einen festen Platz in der Stadt. Und bei der Verbindung von Akrobatik und Menu ist Hans-Peter Wodarz, Gastgeber im Palazzo, einer der Pioniere.  In den neunziger Jahren startete er in Zusammenarbeit mit dem Koch und Unternehmer Alfons Schuhbeck und dem österreichischen Zirkusdirektor und Regisseur (Zirkus Roncalli) das Projekt „Pomp Duck and Circumstance“, das auch sechs Jahre am Gleisdreieck in Berlin gastierte. Damals stand Ente   auf der Karte des fünfgängigen Menus.

Im Palazzo sind es jetzt vier Gänge, die der Koch Kolja Kleeberg, von 1997 bis zum September 2016 mit seinem Restaurant „Vau“ nahe dem Gendarmenmarkt beheimatet, kreiert hat.  Serviert wird zwischen den Show-Acts, inzwischen ist die Karte um ein vegetarisches Menu erweitert, das auch Nicht-Vegetarier begeistern kann. Statt „rosa gebratenes Kalbsfilet im Steinpilz-Brotmantel an Rotweinschalotten, Liebstöckelsalz und Panisse“ gibt es 2018 „Pilzstrudel mit Taleggio, violettem Senf und wildem Broccoli“. Das Servieren wird zelebriert, wenn etwa beim Hauptgang die silbernen Abdeckhauben den Blick auf das Gericht freigeben. Kunstvoll sind die Teller arrangiert, innerhalb weniger Minuten werden die Speisen auf den Punkt gegart und heiß an die eng gestellten Tische gebracht.   Pro Saison werden an einem Palazzo-Standort, so hat es das Wodarz-Team errechnet, 210 Tonnen Geschirr und Besteck benötigt. Und die Servicemitarbeiter, die diese Gewichte zwischen Küche und Tisch hin- und hertransportieren müssen, legen am Abend rund zehn Kilometer zurück.

Palazzo: Blick ins Spiegelzelt am Ostkreuz 2016. Foto: Ulrich Horb
Palazzo: Blick ins Spiegelzelt  2016. Foto: Ulrich Horb

Die Kerzen auf den eng gestellten Tischen spiegeln sich in den Seitenwänden des Jugendstil-Zelts und sorgen für märchenhafte Stimmung. In jeder Saison gibt es eine neue Show mit neuen Künstlerinnen und Künstlern. 2017/2018 wird mit „Glanz & Gloria“ ein Ausflug in eine mondäne Welt präsentiert. Das ukrainische Duo Ars schwebt über den Köpfen der Gäste, Sascha Bachmann bewegt sich flink auf seinen Händen, Myriam und Mathieu wirbeln auf ihren Rollschuhen durch das Zelt.

In der Saison 2016/2017 wurde die Geschichte vom König erzählt, der seine freigeistige Tochter  standesgemäß verheiraten will.  Oft reicht die Bühne für die vielen artistischen Szenen der Show „Kings & Queens“ nicht aus. Vieles spielt sich unter dem Zeltdach ab,  vieles dicht an den Tischen.  Da schwebt dann auch einmal eine Artistin aus der mit Wasser gefüllten Badewanne und schüttelt sich die blonden Haare in der Luft. Illusionist Poki ist nicht nur mit seiner Hula-Hoop-Reifenshow  zu sehen, er zieht auch mit seiner schwebenden Zauberkugel von Tisch zu Tisch. Anton Belyakow wandert auf den Händen weit in den Raum hinein. Und die ukrainischen Zwillingsbrüder Roman und Slava geben mit ihrem Steptanz-Einlage den Rhythmus vor, zeigen aber auch in perfekter Harmonie, dass Zwillinge nicht unbedingt einen Spiegel benötigen. Munter mixt die Show Schlager und Rock, macht den Märchenkönig zum „King“ Elvis und zitiert augenzwinkernd die eine oder andere Fernsehshow.

Vier Monate dauert die 11. Spielzeit zwischen der Premiere am 9. November 2017 und dem Schluss-Akt am  4. März 2018 (Di. bis Sa. 19:30 Uhr, So. 18:00 Uhr, Einlass 60 Minuten vor Showbeginn).  Gut dreieinhalb Stunden sollten für den Abend eingeplant werden. Der neue Standort des  Spiegelpalasts ist am Bahnhof Zoo.

Karten gibt es zu Preisen von 79 bis 129 Euro (sonntags bis donnerstags, ohne Getränke) bzw. 99 bis 145 Euro (freitags und sonnabends).  

Palazzo im Internet: www.palazzo.org/berlin/

 

 

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